Der Pavil­lon "Himm­li­sches Tibet" bei der Shang­hai Expo - ein Bra­vour­stück chi­ne­si­scher Propaganda

31. Mai 2010

Mit ihrem Tibet-Pavillon bei der Expo 2010 in Shang­hai, die am 30. April eröff­net wurde, ver­sucht die chi­ne­si­sche Regie­rung von der Rea­li­tät in Tibet abzu­len­ken, wo Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und die Mar­gi­na­li­sie­rung der Tibe­ter an der Tages­ord­nung sind.

Free Tibet ruft Besu­cher, beson­ders die Ver­tre­ter aus Poli­tik und Wirt­schaft, auf, von einer Besich­ti­gung des Pavil­lons "Himm­li­sches Tibet", der unter dem Vor­zei­chen "Neues Tibet - Bes­se­res Leben" steht,  Abstand zu neh­men. Die­ser Par­odie einen Besuch abzu­stat­ten, kommt einer still­schwei­gen­den Bil­li­gung der chi­ne­si­schen Poli­tik in Tibet gleich, was die will­kür­li­chen Fest­nah­men, Fol­ter, Ver­schwin­den­las­sen von Per­so­nen, die patrio­ti­sche Umer­zie­hung und die Beset­zung von Tibet, über­haupt alle ande­ren Repres­sa­lien mit einschließt.

Die Rea­li­tät des Lebens in Tibet, die China mit sei­ner Tibet-Show bei der Welt­aus­stel­lung so gerne vor den Augen der Welt ver­ber­gen möchte, ist in der Tat alles andere als "himmlisch".

Über ein­tau­send Tibe­ter, die wäh­rend der Nach­we­hen der Pro­test­ak­tio­nen von 2008 fest­ge­nom­men wur­den, wer­den immer noch ver­mißt und die Regie­rung schweigt dazu. Chi­ne­si­sche Gerichte in Tibet fah­ren fort, Tibe­ter, die die Außen­welt von der schreck­li­chen Lage in ihrem Land in Kennt­nis set­zen wol­len, zu unver­hält­nis­mä­ßig hohen Stra­fen zu ver­ur­tei­len. So wurde etwa der Tibe­ter Wangdu unter der Anklage der Spio­nage zu lebens­läng­li­cher Haft ver­ur­teilt, nur weil er im E-Mail-Kontakt mit dem Aus­land stand.

Inter­na­tio­nale Medien berich­te­ten kürz­lich über eine auf­fäl­lig starke Mili­tär­prä­senz auf den Stra­ßen Lha­sas und ande­rer tibe­ti­scher Städte, und über dras­ti­sche Ein­schrän­kun­gen der Bewe­gungs­frei­heit von Tibe­tern, sowohl in den Städ­ten selbst, als auch ihrer Mög­lich­keit, von einem Ort zum ande­ren zu rei­sen. Diese Maß­nah­men sowie die Welle von extrem har­ten Urtei­len erzeug­ten unter den Tibe­tern ein Klima der Furcht.

Bei sei­ner Rede am 10. März 2010, dem Jah­res­tag des tibe­ti­schen Volks­auf­stan­des von 1959, betonte der Dalai Lama, daß das Leben in Tibet in Wirk­lich­keit "die Hölle auf Erden" ist, also ganz gewiß nicht "himm­lisch", wie von China behauptet.

Free Tibet möchte des­halb alle füh­ren­den Per­sön­lich­kei­ten aus Poli­tik und Wirt­schaft, auch den die Aus­stel­lung eröff­nen­den Prä­si­den­ten der Euro­päi­schen Gemein­schaft, José Manuel Bar­roso, noch­mals auf­ru­fen, die­sen Pavil­lon zu meiden.

Ste­pha­nie Brig­den, die Direk­to­rin von Free Tibet erklärte dazu Fol­gen­des: "Jede Besich­ti­gung eines aus­län­di­schen Besu­chers der Shang­hai Expo stellt ein still­schwei­gen­des Ein­ver­ständ­nis mit der chi­ne­si­schen Poli­tik in Tibet dar, die von will­kür­li­chen Fest­nah­men, Fol­ter, dem Ver­schwin­den­las­sen von Per­so­nen, der patrio­ti­schen Umer­zie­hung und Repres­sion gekenn­zeich­net ist. Unwis­sen­heit vor­zu­schie­ben über das, was in Tibet geschieht, ist keine Ent­schul­di­gung. Die Fern­seh­auf­nah­men über das bru­tale Vor­ge­hen Chi­nas in Tibet, die vor erst zwei Jah­ren um die Welt gin­gen, mach­ten deut­lich, daß die chi­ne­si­sche Auf­fas­sung, in Tibet sei alles zum Bes­ten, bloße Ein­bil­dung ist."