Tibet aktuell im März 2018


Erste Selbstverbrennung in diesem Jahr


Tibetan Centre for Human Rights and Democracy TCHRD, 12. März 2018


Am 7. März zündete sich der 44-jährige Tsekho Tukchak in der Ortschaft Meruma im Bezirk Ngaba an und starb auf der Stelle. Während er in Flammen stand, rief er nach Berichten von Augenzeugen „Lang lebe Seine Heiligkeit der Dalai Lama“. Er hinterlässt Frau und zwei Töchter.

Insgesamt ist es die 153. Selbstverbrennung in Tibet. Die Ortschaft Meruma in der Unruheregion Ngaba war bereits mehrfach seit 2015 Schauplatz von Selbstverbrennungen.

Tsekho Tukchak war zunächst Mönch im Kloster Namtso nahe Meruma, bevor er heiratete. Nach Berichten von Personen, die ihn kannten, habe Tsekho Tukchak sehr aufmerksam politische Ereignisse in Tibet verfolgt, und man habe ihn oft in Teehäusern oder auf dem Markt mit anderen diskutieren gesehen. In der Region war er sehr bekannt und genoss hohes Ansehen. Noch wenige Tage vor seiner Selbstverbrennung habe er sich kritisch zur Situation in Tibet geäussert. Die Nachricht von seinem Tod habe sich entsprechend schnell verbreitet, und man habe viele Tibeter für ihn beten sehen.

Ein Halbbruder von ihm, ebenfalls Mönch im Kloster Namtso, starb an den Folgen von Haft. Er wurde während der Unruhen 2008 verhaftet und derart schwer misshandelt, dass er kurz nach seiner Haftentlassung daran starb. Sein Schicksal wurde wegen der strengen Zensur von Nachrichten aus der Region erst jetzt bekannt. Ein weiterer Halbbruder wurde ebenfalls während der Unruhen verhaftet und sitzt angeblich noch in Haft, ohne dass weitere Details bekannt sind.


Luzerner Zeitung, 9. März 2018

Tibetische Gemeinschaft in der Schweiz verlangt mehr Schutz

Die tibetische Gemeinschaft in der Schweiz fordert vom Bundesrat, sich stärker für den Schutz der Menschenrechte in Tibet einzusetzen. Aber auch die Rechte von Tibetern in der Schweiz müssen besser geschützt werden, heisst es in einer Mitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker vom Freitag.

Fünf Jahre nach der Unterzeichnung des Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und China stellen die Gesellschaft für bedrohte Völker und verschiedene tibetische Organisationen einen zunehmenden Einfluss Chinas auf Tibeterinnen und Tibeter in der Schweiz fest. Die tibetische Diaspora in der Schweiz werde zunehmend überwacht.

Es sei für Tibeter zudem schwierig, in der Schweiz Reisedokumente zu erhalten. Wenn die chinesischen Behörden entsprechende Anträge verweigern oder ablehnen, können die Betroffenen die Schweiz nicht mehr verlassen, wie es in der Mitteilung heisst.

Die Schweiz habe ausserdem beschlossen, die tibetische Herkunft in Ausweisen nicht mehr anzuerkennen und führe nur noch „China“ als Herkunft auf. Auch sei es in der Schweiz nicht immer möglich, sich zur Menschenrechtssituation in Tibet zu äussern. Demonstrationen und Versammlungen dazu seien nur eingeschränkt möglich.

Dies sind die Ergebnisse eines Berichts der Gesellschaft für bedrohte Völker und weiterer tibetischer Organisationen zu den Auswirkungen des Freihandelsabkommens auf die tibetische Gemeinschaft in der Schweiz.

Parlamentarierinnen mobilisiert

Die Nationalrätinnen Maya Graf (Grüne(BL) und Barbara Gysi (SP/SG) reichten am Donnerstag zwei Postulate ein, welche den Bundesrat auffordern, die menschenrechtlichen Auswirkungen des Feihandelsabkommens mit China umfassend zu analysieren. Zudem solle der Menschenrechtsdialog mit China in Bezug auf die Einhaltung der Menschen- und Minderheitenrechte evaluiert werden.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat zudem zusammen mit anderen Organisationen eine Petition lanciert. Diese fordert vom Bundesrat ein stärkeres Engagement für die Einhaltung der Menschenrechte in Tibet sowie den Schutz der tibetischen Sprache und Kultur.

Zudem verlangt die Petition, dass der Bundesrat in corpore das tibetische Oberhaupt, den Dalai Lama, offiziell in der Schweiz empfängt – das hat es bisher noch nie gegeben.

„Gerade weil die Schweiz gute Wirtschaftsbeziehungen mit China pflegt, müssen auch die Rechte von Tibeterinnen und Tibetern stärker geschützt werden“, wird Thomas Büchli von der Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF) in der Mitteilung zitiert.

In der Schweiz lebt die grösste tibetische Gemeinschaft ausserhalb Asiens. Sie war unter den ersten Ländern, welche vor rund 60 Jahren tibetische Flüchtlinge aufgenommen haben. 

 


Schwäbische Zeitung, 9. März 2018

„Solidarität bekunden mit Tibet“

In Aldingen wird am Samstag, 10. März, vor dem alten Rathaus die tibetische Flagge gehisst.
Redakteur Michael Hochheuser befragte dazu Hauptamtsleiterin Iris Stieler.

Was sind die Hintergründe der Aktion?

Die Gemeinde Aldingen hisst die Flagge bereits seit einigen Jahren. Anlass waren die friedlichen, spontanen Proteste in Tibet von historischem Ausmaß im Jahr 2008. Andere Gemeinden haben das genauso gehalten, zum Beispiel Denkingen, wo ich lange im Rathaus gearbeitet habe.

Warum hat die Gemeinde Aldingen auf diese Weise Flagge gezeigt?

Aldingen wollte den Tibetern beistehen, Solidarität bekunden und die Menschen dort darin unterstützen, dass sie nicht aufgeben sollen in ihrem Recht auf Selbstbestimmung.

Am Samstag ist der Gedenktag an den tibetischen Volksaufstand von 1959. Wer beteiligt sich noch daran?

In hunderten Städten, Gemeinden und Landkreisen in ganz Deutschland wird am Samstag die tibetanische Flagge gehisst. Das ist ein Jahrzehnt nach dem Schicksalsjahr für Tibet besonders wichtig.

Viele Firmen in der Region haben wirtschaftliche Beziehungen nach China. Befürchten die teilnehmenden Gemeinden für diese keinen Ärger, wenn sie nun die Flagge Tibets hissen?

Nein. Meine persönliche Meinung dazu ist, dass China es hinnehmen muss, wenn wir auf diese Weise Solidarität bekunden.

 


Telebasel, 10. März 2018

Tibeter demonstrieren gegen chinesische Besetzung

59 Jahre nach dem Volksaufstand gegen die chinesische Besetzung von Tibet haben am Samstag über 3500 Exiltibeter in Genf gegen China demonstriert.

Sie forderten zum Jahrestag des Aufstands von der Besatzungsmacht Respekt vor den Menschenrechten in Tibet. «Free Tibet» skandierten die Manifestanten zu Trommelrhythmen. Im strömenden Regen zog der Demonstrationszug zur Place des Nations. Die Genfer Polizei meldete keine Zwischenfälle.

Zahlreiche Redner forderten die Unabhängigkeit Tibets, wie sie vor 1959 bestanden hatte. An die internationale Gemeinschaft richteten sie den Appell, sofort Massnahmen für die Wahrung der Menschenrechte in dem Land zu treffen.

Dalai Lama auf der Flucht

Am 10. März 1959 gipfelte der Widerstand Tibets gegen die chinesischen Invasoren in einem Volksaufstand in der Hauptstadt Lhasa. Dieser wurde von der chinesischen Armee brutal niedergeschlagen. Einige Tage später war das weltliche und geistliche Oberhaupt Tibets, der Dalai Lama, zur Flucht über die Berge nach Indien gezwungen.

Am Freitag hatte die Tibetergemeinschaft in der Schweiz eine Kampagne lanciert. Sie soll den Bundesrat dazu bringen, sich stärker für die Menschenrechte im Tibet einzusetzen. Die Schweiz ist das Land mit der grössten tibetischen Exilgemeinde ausserhalb Asiens. Sie war eines der ersten Länder, die in den 1960er Jahren Flüchtlinge aus dem Himalayastaat aufnahmen.

 


Südtirol, 10. März 2018

„Zum 59. Gedenktag setzen auch wir in Südtirol ein Zeichen“

Heimatbund zeigt Flagge für Tibet

Bozen/Terlan – Am 10. März jährt sich zum 59. Mal der tibetanische Volksaufstand gegen die chinesische Besatzungsmacht. Aus Solidarität und für die Menschenrechte hat der Südtiroler Heimatbund auch dieses Jahr vor dem Eingang einer Südtiroler Gemeinde mit einem deutschen und einem italienischen Plakat auf das Schicksal des Volkes „auf dem Dach der Welt“ hingewiesen. Heuer war Terlan an der Reihei. Die SHB-Abordnung wurde auch von Bürgermeister Klaus Runer empfangen.

Tibet ist seit 1950 ein von China besetztes Land. Klöster und Kulturgüter wurden zerstört, Mönche und Nonnen getötet. Um auf das Drama Tibets aufmerksam zu machen, erfolgten in den letzten Jahren mehr als 150 schreckliche Selbstverbrennungen für Freiheit, Selbstbestimmung und die Rückkehr des Dalai Lama. Der Dalai Lama hat nach der Flucht ins indische Exil in Dharamsala, eine demokratische Regierung aufgebaut und versucht, das Leid der Tibeter innerhalb und außerhalb Tibets zu mindern sowie internationale Unterstützung für die Sache Tibets zu gewinnen. Für seinen unermüdlichen Einsatz, mit gewaltlosen Mitteln und durch Dialog eine Lösung für das Tibetproblem zu finden, erhielt der Dalai Lama 1989 den Friedensnobelpreis. In seinem Fünf-Punkte-Friedensplan forderte er neben der Einhaltung der Menschenrechte, den Schutz der Umwelt Tibets und die Aufnahme von ernsthaften Verhandlungen über den künftigen Status Tibets.

Angesichts der anhaltenden Willkür und der Unterdrückung des tibetischen Volkes durch die Regierung Chinas sei es wichtig, gerade jetzt ein Zeichen zu setzen, so der Heimatbund.

Anlässlich der jährlich seit 1996 weltweit stattfindenden Flaggenaktion wird auch in Mitteleuropa – in Frankreich, Italien, Luxemburg, Ungarn, Tschechien, in der Schweiz und in Liechtenstein, in Österreich und Deutschland – bereits in tausenden Städten zwischen 6. und 13. März für Tibet die Fahne gehisst.

„Wir senden damit ein Signal an die chinesische Regierung und auch an die europäischen Regierungen, sich kritisch zu der chinesischen Tibet-Politik und den Menschenrechtsverletzungen zu äußern. In Südtirol darf leider an den Rathäusern keine tibetische Fahne aufgehängt werden. Die Fahnenstangen dürfen nur für die staatlich verordneten Fahnentage verwendet werden“, erklärt der Heimatbund. Deshalb konnten die Vertreter des SHB nur mit einem Plakat beim Eingang zum Rathaus seine Solidarität mit dem fremdbestimmten Tibet aufzeigen.