Besorgnis zum Baubeginn des Brahmaputra-Wasserkraftwerks

Am 16. November hat China offiziell mit dem Bau des Brahmaputra-Wasserkraftwerks begonnen. Dazu wurde im Yarlung Tsangpo-Fluss, der in Indien und Bangladesh Brahmaputra gennant wird und dort in den Indischen Ozean mündet, ein Damm errichtet. Innerhalb und ausserhalb Chinas wurden Sorgen über die ökologischen Folgen des Bauvorhabens geäussert.

Das Wasserkraftwerk im Mittellauf des Yarlung Tsangpo in der Präfektur Lhoka, 325 km von Lhasa entfernt, wird im Fünfjahresplan für Tibet als eines der wichtigsten Einzelprojekte hervorgehoben. Mit einer Kapazität von 510 Megawatt bei geschätzten Baukosten von umgerechnet 1.2 Milliarden US-Dollar soll es den chronischen Elektrizitätsengpass in Zentraltibet beheben und ab 2014 Strom liefern.

Die indische Regierung hat bereits Bedenken über eine mögliche Wasserverknappung und andere ökologische Folgen angemeldet. China versicherte zwar, dass das Kraftwerk allein das natürliche Höhengefälle ausnütze und wenig Folgen stromabwärts zeigen werde, doch wurde von indischen Medien hervorgehoben, dass das Bauwerk auch zur Regulierung des Wasserstandes eingesetzt werden könne.

Selbst in China erheben sich kritische Stimmen. He Xingdou, Professor an der Universität für Wissenschaft und Technologie in Beijing zweifelte laut RFA, ob wirklich eine gründliche und unvoreingenommene Einschätzung der ökologischen Risiken vorgenommen wurde. "Diejenigen, die dieses gerade untersuchen, haben selbst ein Interesse an der Realisierung des Projekts. Entweder das, oder sie sind unter vielfältigem politischem Druck, ihren Vorgesetzten zuzustimmen. Oft nehmen sie solange keine Einschätzung vor, bis die politische Führung schon beschlossen hat, mit dem Projekt voranzugehen, so dass das Resultat immer eine befürwortende Einschätzung ist... Es muss ihnen [der Regierung; UM] wirklich klar sein, was sie hier machen. Es muss klare und anwendbare Richtlinien für den Umweltschutz geben."

Tritt der Dalai Lama von seinem politischen Amt zurück? 

Der Dalai Lama denkt über seinen Rücktritt als Staatsoberhaupt gemäss der tibetischen Verfassung im Exil nach. Davon unberührt bleiben jedoch seine religiöse Rolle und sein weiteres Engagement für eine gewaltlose Lösung des Status von Tibet.

In Gesprächen mit Medienvertretern deutete der Dalai Lama an, dass er sich möglicherweise innerhalb der nächsten 6 Monate zum Rücktritt entscheiden werde. Allerding wolle er vorher noch intensive Konsultationen mit der Tibetischen Regierung und dem Parlament im Exil durchführen und dann das Thema seines Rückzug anlässlich der nächsten Session des Exilparlaments im März 2011 vorbringen.

Als Gründe nannte er einerseits, dass die Tibeter schon seit 2001 einen Premierminister in direkter Wahl bestimmen und die politischen Entscheidungen mehr und mehr von diesem und dem Kabinett bestimmt werden, und andererseits, dass er seine Arbeitsbelastung reduzieren wolle.

Gegenüber der Economic Times sagte der Dalai Lama: "Die wichtigsten Entscheidungen sind in der Hand der politischen Führung. Damit sich die Demokratie voll entfalten kann, denke ich, ich sollte in diese Angelegenheiten nicht mehr involviert sein."

Er wolle aber weiter seine religiöse Rolle ausfüllen und der Anführer des tibetischen Volkes im Freiheitskampf sein. Er deutete auch an, dass - falls es die Tibeter wünschten - im Falle seines Todes "eine Art Stellvertreter des Dalai Lama" bestimmt werden könnte, der sein Werk fortsetzt.

Auch Mönche protestieren für tibetische Muttersprache

Unabhängig von den Schülerprotesten demonstrierten auch Mönche für Gleichheit und Freiheit für alle Sprachen. Am 8. November versuchten über 700 Mönche und Nonnen, die meisten vom Kloster von Sershul in der ost-tibetischen Autonomen Provinz Kardze (chin. Ganzi), zu dem Verwaltungssitz des Bezirks zu marschieren. Sicherheitskräfte versperrten ihnen jedoch den Weg. Bereits am 7. November hätten 50 Mönche und Nonnen demonstriert und verlangt, dass China die Muttersprache der Tibeter respektiere. Und noch früher hätten um die 300 Mönche und Nonnen demonstriert.

Der Vorfall sei durch ein Verbot der Behörden für eine Aktion des Klosters ausgelöst worden. Dieses sammelte freiwillige Geldspenden von Personen, die "Drak-kay", eine unsaubere Sprache gesprochen haben, d.h. die ihr Tibetisch mit chinesischen Wörtern, Ausdrücken und Sätzen gemischt haben.