Tibetische Sprache soll nicht ausgelöscht werden

 
Nach tagelangen Protesten gegen eine mögliche Mandarin-Pflicht in Schulen in der u.a. auch von Tibetern bewohnten Region Qinghai in China haben die Behörden am Samstag versöhnliche Töne angeschlagen. Der Plan, nur noch in Mandarin-Chinesisch zu unterrichten, sei nicht darauf ausgerichtet die tibetische Sprache auszulöschen, hieß es in den staatlichen Medien. In Gegenden, wo die Umstände noch nicht reif seien, würden keine Veränderungen erzwungen, sagte der Direktor der Bildungsbehörde von Qinghai laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Tausende Schüler und Studierende demonstrierten

Nach Angaben der in London beheimateten Organisation "Free Tibet" gingen in den vergangenen Tagen Hunderte wenn nicht Tausende Schüler und Studenten auf die Straße. Bisher ab es keine Berichte über Gewalt oder Festnahmen. Die Proteste wurden offenbar von Äußerungen des Provinz-Vorsitzenden der Kommunistischen Partei, Quiang Wei, ausgelöst. Er hatte in der Parteizeitung die Verwendung einer "gemeinsamen Sprache" gelobt. Außerdem hieß es in einem seiner Pläne für eine Bildungsreform, "die gemeinsame Sprache der Nation muss auch die Sprache der Lehre werden."
Damit schürte Quiang offenbar die Befürchtungen vieler Schüler, dass das zweisprachige Schulsystem abgeschafft werden könnte. Die Proteste gingen von der Stadt Tongren aus und breiteten sich auf weitere Städte aus. In der Region leben zahlreiche ethnische Minderheiten, darunter Tibeter und Mongolen, die ihre eigenen Sprachen sprechen.
 

Dalai Lama fordert Liu Xiaobos Freilassung

Der Dalai Lama und 14 weitere Friedensnobelpreisträger haben die G20-Staaten aufgefordert, sich für die Freilassung des chinesischen Bürgerrechtlers Liu Xiaobo einzusetzen. Die US-Menschenrechtsgruppe Freedom Now veröffentlichte den Brief.
Die Haftentlassung des frisch gekürten Friedensnobelpreisträgers würde den enormen Wandel unterstreichen, den China in den vergangen Jahrzehnten durchlaufen habe, heisst es in einem am Montag veröffentlichten Brief. Die Unterzeichner des Schreibens, zu denen auch der frühere US-Präsident Jimmy Carter und der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel gehören, verlangten auch ein Ende des gegen Lius Frau verhängten Hausarrests. Beim Gipfeltreffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 10. und 11. November sollten die Partner Chinas Präsidenten Hu Jintao deutlich machen, dass die Freilassung Lius nicht nur wünschenswert, sondern notwendig sei, heisst es im Brief an die Staats- und Regierungschefs der G20. 
 

Hauptverfasser der Charta 08

Liu wurde 2009 inhaftiert und zu elf Jahren Haft verurteilt. Ihm wird zur Last gelegt, Hauptverfasser der Charta 08 zu sein - ein Manifest chinesischer Intellektueller und Bürgerrechtler, in dem Redefreiheit und freie Wahlen gefordert werden. Der frühere Literaturprofessor wurde bekannt als einer der Anführer des Hungerstreiks während der Studentenproteste auf dem Platz des himmlischen Friedens 1989 in Peking.